Marion Tscherwinski: Kassensturz in der Lebensmitte

Marion Tscherwinski: Kassensturz in der Lebensmitte

01.11.2017

Sabine Hildebrandt-Woeckel: Frau Tscherwinski, Sie arbeiten als Berufsfindungs- und Entwicklungscoach. Was interessiert Sie gerade an der Zielgruppe 40 plus?
Marion Tscherwinski: Wir haben drei Phasen im Leben, in denen wir gefordert sind, uns mit dem Thema „Job und Berufung“ auseinanderzusetzen. Die erste Phase ist, wenn wir die Schule beendet haben und uns fragen: Was mache ich jetzt beruflich? Die zweite Phase ist dann im Alter zwischen 35–50, wo viele Menschen sich die Frage stellen: Ist das, was ich hier tue, das, was ich immer wollte?

Und wenn ich zu diesem Zeitpunkt der Frage nicht nachgehe, habe ich noch eine dritte Chance in der Phase, die man heute drittes Lebensalter nennt. Also dann, wenn wir in die Rente gehen und kein Geld mehr verdienen müssen oder zumindest nicht mehr so viel.

Gerade in der zweiten Phase ist es sinnvoll, noch mal einen Kassensturz zu machen. In der Mitte des Lebens stellen sich die meisten Menschen die klassische Sinnfrage: Wozu bin ich hier? Welchen Sinn hat mein Leben? Was möchte ich in meinem Leben verwirklichen? Was möchte ich noch erreichen? Und genau diesen Fragen geht man in seiner Berufungsfindung nach. Egal, welchen Weg ein Mensch bisher gegangen ist – es ist nie zu spät, sich für einen neuen Weg, eine Neuorientierung zu entscheiden. Ich selbst habe diesen Kassensturz sogar erst mit 50 gemacht.

Welche Qualifikationen bringen Sie denn mit?
Ich habe über 20 Jahre Berufserfahrung in einem globalen Großkonzern gesammelt. Zu Beginn kümmerte ich mich um Produkte und Prozesse. Da ich jedoch mehr mit Menschen arbeiten wollte, entwickelte ich mich innerhalb des Unternehmens zum Trainer und Coach und absolvierte eine Ausbildung zum Trainer und Systemischen Business Coach. Vor vier Jahren verließ ich das Unternehmen und lernte in dieser Phase meiner eigenen Neuorientierung die ganzheitliche Methode „Karriere-Navigator“ kennen und lieben und ließ mich darin ausbilden. Heute ist das Thema Entwicklungscoaching und Beruf(ung)sfindung Schwerpunkt meiner Arbeit als selbstständiger Coach.

Sie bieten neben Einzelcoachings auch Workshops nach der Karriere-Navigator-Methode. Was genau ist das Besondere an Ihrem Angebot?
Das ist eine ganzheitliche, zielorientierte und systemische Coaching-Methode zur persönlichen Lebens- und Karriereplanung. Sie wurde von der Diplom-Psychologin Angelika Gulder entwickelt und ist zigfach erprobt.

Wodurch unterscheidet sich Ihr Angebot von anderen Karriere-Coachings/-seminaren?
Ich unterstütze Menschen dabei, den Beruf und die Lebensumstände zu finden, die sie langfristig zufrieden und erfolgreich machen, d.h., ich trenne Beruf und Privatleben nicht. Ich arbeite mit dieser Methode ganzheitlich und beziehe ihren Verstand, ihr Gefühl und ihre innere Stimme in das Gesamtbild mit ein.

Sie sind Teil des Beraternetzwerkes von job40plus und nehmen auch regelmäßig an unseren Events teil. Mit welchen Fragen treten die Kandidaten hier an Sie heran?
Die Teilnehmer kommen mit den unterschiedlichsten Fragestellungen zu mir, z.B:
· Passt mein aktueller Job wirklich zu mir? Was macht mich wirklich aus? Bin ich möglicherweise nicht am rechten Platz? Oder:
· Mein Job ist weg. Wie geht es jetzt weiter? Welche Möglichkeiten habe ich?
· War das in meinem Leben schon alles? Ich möchte meinem Leben eine neue Richtung geben. Aber wohin und wie?
· Kenne ich mein volles Potenzial, meine Stärken und Talente?

job40plus organisiert außerdem mehrfach im Jahr eine Workshop-Reihe zur Vorbereitung von Jobmessen-Besuchen. Die nächste wird Anfang 2018 stattfinden. Auch hier sind Sie mit dabei. Was genau können Sie hier beitragen?
Ich biete durch den Karriere-Navigator-Workshop den Kandidaten die Möglichkeit, bereits im Vorfeld ein klares Bild ihrer Neuorientierung zu bekommen. So können sie zielgerichteter ihre Gespräche führen.

Geht es hier um andere Fragestellungen als in den Einzelcoachings?
Die Fragestellungen sind gleich. Im Workshop kann der Kandidat den Austausch von Berufs- und Lebenserfahrungen anderer Teilnehmer zusätzlich für sich nutzen.

Wie gehen Sie grundsätzlich in Ihren Coachings oder Seminaren vor?
Unter Einbeziehung der aktuellen Situation des Fragestellers, seiner Lieblingstätigkeiten, Wünsche, Lebensmotive, Interessen und Qualifikationen entwerfen wir ein ganzheitliches Bild der beruflichen und persönlichen Möglichkeiten.

Sie geben also Tipps, wie es aufwärts geht?
Nein, es geht nicht im klassischen Sinne um den Weg nach oben, sondern darum, den ganz eigenen Weg zum Erfolg zu finden und zu gehen.

Was macht denn aus Ihrer Sicht Erfolg aus?
Erfolg ist sehr individuell. Erfolg und dessen persönliche Definition ist nichts Statisches, sondern verändert sich auch im Laufe des Lebens. Erfolg bedeutet für mich, meinen Idealen und Visionen folgen zu können und das Leben, den Beruf und die äußeren Umstände zu haben, die zu mir passen und die mich erfüllen und glücklich machen.

Können Sie uns mal ein Beispiel nennen?
Ich bin selbst ein gutes Beispiel – als Kind wollte ich immer Lehrerin oder Opernsängerin werden! Als Erwachsene wählte ich jedoch ein naturwissenschaftliches Studium und verbrachte viele Jahre in einem Großkonzern. Meine tiefsten Wünsche haben mich jedoch immer begleitet und so bin ich heute selbstständig als Trainerin und Coach tätig und trete in meiner Freizeit auf Münchens Kleinstkunstbühnen als A-cappella-Sängerin mit einem zehnköpfigen Ensemble auf. Das nächste Mal übrigens am 19. November um 20.00 im Ars Musica in München: „Dachschrägen und Impro goes Loose“.

Sprechen Sie immer nur Einzelpersonen an oder auch Firmen?
Ich unterstütze auch Firmen mit einem Karriere-Navigator Business Coaching dabei, langfristige Perspektiven zu schaffen und als verantwortungsvoller Arbeitgeber die geeigneten Rahmenbedingungen für erfolgreiche und engagierte Mitarbeiter zu schaffen. Das Coaching ist für Fach- und Führungskräfte geeignet als Einzelmaßnahme zur strategischen und individuellen Karriereplanung wie auch für Mitarbeiter zur Stärkung der Motivation, Leistungskraft und Gesundheit. Firmen können das Coaching auch als begleitende Maßnahme bei Umstrukturierungen oder auch als unterstützendes und zielgerichtetes Angebot im Outplacement nutzen.

Gibt es auch Menschen oder Umstände, für die Sie nicht der richtige Ansprechpartner sind? Und wenn ja, was empfehlen Sie dann?
Manchmal kommen Menschen zu mir, die sich als Ergebnis eine ganz konkrete Jobempfehlung inklusive eines detaillierten Maßnahmenplans wünschen. Das ist jedoch bereits Schritt zwei. Ich beginne einen Schritt davor. Erst die gründliche Standortbestimmung und das Beleuchten der Persönlichkeit aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln führt zu einem klaren Zielbild. Ich empfehle den Teilnehmern, offen und neugierig auf sich selbst zu sein und die Bereitschaft zu haben, sich aktiv auf diesen Prozess einzulassen.

Marion Tscherwinski ist als selbstständiger Coach tätig. Schwerpunkte ihrer Arbeit: Entwickungscoaching sowie Beruf(ung)sfindung. Sie ist buchbar über das Beraternetzwerk von job40plus.

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