Homeoffice in Krisenzeiten – wie wird das Realexperiment ausgehen?

Homeoffice in Krisenzeiten – wie wird das Realexperiment ausgehen?

30.03.2020

blog

von Professor Stephan Kaiser*

Die Corona-Krise führt aktuell dazu, dass mehr Menschen als je zuvor im Homeoffice arbeiten. Es lassen sich deshalb Stimmen vernehmen, die darin einen langfristigen Durchbruch des mobilen Arbeitens vermuten und von einem enormen Schub für die Digitalisierung der Arbeitswelt sprechen. Wie nachhaltig werden diese veränderten Arbeitsweisen aber sein? Werden wir auch nach der Corona-Krise mehr als zuvor im Homeoffice arbeiten?

Ohne Frage arbeiten aktuell Menschen digital und virtuell zusammen, die dies zuvor noch nie oder nur selten getan haben und vor allem nicht innerhalb der eigenen vier Wände. Lösungen wie Zoom, Skype oder Microsoft Teams, um nur einige zu nennen, erleben deshalb einen nie dagewesenen Boom. Dabei war doch vor Corona das Homeoffice nur ausgewählten Mitarbeitenden vorbehalten: Personen, die bestimmte Aufgaben hatten, die sich eben auch von zuhause aus erledigen lassen, die hierfür eine technische Ausstattung und entsprechende Kompetenzen hatten, häufig für Teilzeitkräfte, für die aus Kostengründen kein eigener Büroarbeitsplatz in der Firma eingerichtet wurde. Und für all diejenigen, die aus Vereinbarkeitsgründen darauf gedrängt haben, von zu Hause aus arbeiten zu dürfen.

„Es geht nicht anders“

Dies ist nun alles deutlich anders: Auf einmal arbeiten viele von zuhause, egal, ob sie das wollen oder nicht, egal, ob sie dafür die optimale technische Ausstattung, die notwendigen IT-Kenntnisse und egal, ob sich die Arbeitsaufgaben dafür überhaupt eignen: „Es geht halt nicht anders.“ Dadurch werden viele Lernprozesse angestoßen, deren Ergebnisse auch nach der Krise noch dazu führen werden, dass mehr Menschen als zuvor, potenziell im Homeoffice arbeiten werden. Man kann also in Teilen von einem Siegeszug des Homeoffice sprechen. Allerdings lassen sich auch Punkte anführen, die daran auch Zweifel aufkommen lassen. Ein wichtiger Punkt ist hierbei die sogenannte Segmentationspräferenz von Menschen. Was ist damit gemeint? Wir wissen, dass Mitarbeitende unterschiedliche Wünsche dahingehend haben, wie sie mit ihren Rollen in Arbeit und Privatleben umgehen, d.h. diese trennen oder vereinen wollen. Einige Menschen möchten diese Rollen gerne integrieren, um möglichst flexibel zwischen privaten und beruflichen Rollen zu wechseln. Das sind die Personen, die auch bisher schon gern mobil und im Homeoffice gearbeitet haben, um etwa Haushalt, Kinderbetreuung und Job flexibel zu gestalten. Andere Menschen aber sind so genannte Segmentierer, sie wollen diese Rollen strikt trennen: Arbeit ist Arbeit, Freizeit ist Freizeit. Für diese Personen mit starker Segmentationspräferenz ist das Homeoffice alles andere als optimal und erzeugt einen hohen Stresslevel. Dies gilt in Corona-Zeiten umso mehr, da je nach familiärer Situation zusätzlich noch der Partner und die Kinder vor Ort sind und alternative Rollenerwartungen kommunizieren, die sich schwer in Einklang bringen lassen.

Austausch von implizitem Wissen

Zu bedenken ist auch, dass manche Menschen grundlegend wenig Affinität zu Technik haben. Diese fehlende Nähe etwa zu Online-Kommunikationslösungen wird sich auch durch die Corona-Krise nicht fundamental verändern und dazu führen, dass einige lieber wieder ins Büro gehen. Wir wissen zudem, dass das Arbeiten im Homeoffice auch zu sozialer Distanz, wenn nicht sogar Isolation führen kann, ein weiter Grund die Nähe vor Ort im Büro zu suchen. Auch die Firmen selbst, die nun vielleicht an die Einsparung von weiteren Büroflächen denken, profitieren, wenn Mitarbeitende wieder vor Ort zusammenkommen. Ein wichtiger Aspekt ist hier der Austausch von so genanntem implizitem Wissen, also von Wissen, dass sich eben nicht ohne weiteres verschriftlichen, übertragen oder in Datenbanken speichern lässt. Diese strategisch für Unternehmen so relevante Wissen entsteht aber eben in der engen Zusammenarbeit vor Ort.

Während also die Verbreitung technischer Lösungen, der Kompetenzaufbau bei Mitarbeitenden, der Wunsch nach Vereinbarung von Berufs- und Privatleben und einiges mehr dafür sprechen, dass viele das Homeoffice auch nach der Krise beibehalten, so steht doch der vielfach vorhandene Wunsch nach Trennung von Arbeit und Privatleben, die Gefahr und Angst vor sozialer Isolation und die Wichtigkeit des persönlichen Austauschs für strategischen Wissensaustausch dafür: wir werden das Realexperiment Homeoffice nicht uneingeschränkt fortsetzen, sondern viele von uns werden froh sein, wieder in das eigene Büro gehen zu können.

* Der Autor ist Professor für Personalmanagement und Organisation an der Universität der Bundeswehr München; Foto: just imagine/Thomas Benz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kategorien


Tags

****S 1 Prozent 19 Stunden 2 34 Banken 35 Stunden 4-Sterne-Hotel 40plus 41 Stunden 500. Todestag Abfindung Ältere Arbeitnehmer Aquitanien Arbeitslosengeld Arbeitsmarkt Arbeitsrecht Arbeitswelt Audi Aufhebungsvertrag ausländische Berufsabschlüsse Baden & Wellness Bayern Belser Bertelsmann Stiftung Berufsorientierung Berufstätige Betriebsräte Bewerben bewerben auf einer Jobmesse Bewerbung Bewerbungsgespräch Bewerbungsunterlagen Bitkom BMW Bundesagentur für Arbeit Burgund Business Camargue campomolinari Cartoons CFO Coach Coaching Corona-Krise Corona-Virus DAX Deutschland Dieter Schwarz digital Dr. Christoph Jurecka E-Mails Eden Books Einkommen ERGO Group AG Erholung Erwerbsleben Fach- und Führungskräfte Fachkräfte Fachkräftebedarf Fachkräftemangel Familie FC Bayern Ferdinand Wolfgang Neess flexible Arbeitszeiten Foto im Lebenslauf Frankreich Frauen Geburtstage Gehalt Gender Lifetime Earnings Gap Glosse Glück Gosau Göttingen Hamburg Hausboot Heiko Stüber Homeoffice Hotel & Resort Dachsteinkönig Hotel FREIGEIST Hotel Füssen Hühner Ingenieure Institut der deutschen Wirtschaft Interview Interview Silvia Ziolkowski IT IT-Karrieren ITK-Berufe Janna Hagedorn Job job40plus Jobmesse Jobsuche Jugendstil Kandidaten Karin Clemens Karriere Karriereberatung Katalog Katharina Lochner Kaufland Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung Kündigung Coach Uphoff Kündigungsgrund Landkreise Lebe statt zu funktionieren Lebenslauf Lidl LinkedIn Lydia Malin Männer Marion Tscherwinski MDAX mobiles Arbeiten Munich Re Museum Wiesbaden netzwerken Online-Profile Ostallgäu Paola Molinari Patente Personalverantwortliche Peter Gaymann Posteingang Psychologie Qualifikation Raffael Ralph Kaste Ratgeber Recruitingevent reichster Deutscher Reuters Romantische Straße Sabine Hildebrandt-Woeckel Schattenseiten SDAX Sperrzeiten Sport & Wandern Staatliche Museen zu Berlin Städtetour Statistisches Bundesamt Stefan Scheller Stellenanzeigen Stephan Kaiser StepStone StepStone Gehaltsplaner Teilzeitbeschäftigte Top Ten tredition Typisch Büro über 40 University of Applied Sciences Europe Unternehmen Verdienst Verkehrsschild Vermögen Vollzeitbeschäftigte Vorstand Vorstellungsgespräch Walter Feichtner weibliche Führungskräfte Wiedererkennungswert Wiederheirat Wirtschaft Wissensträger Wochenarbeitszeit Work-Life-Balance Wortmann XING Zahl der Woche Zuwanderung